Mann und Frau

Die Frau starrte in die Flammen, schon seit Tagen saß sie da und tat nichts, als weiter in das Feuer zu starren. Nur wenn es auszugehen drohte, legte sie ein Scheit nach.

Der Mann saß auf der anderen Seite des Feuers und bewegte sich ebenso wenig.

Ab und zu züngelte eine Flamme über die Feuerstelle hinaus und leckte an ihren Fingern. Sie bewegte sich nicht. Sie spürte keinen den Schmerz.

Dr. Joe spazierte zur Tür hinein und setzte sich zu ihr. „Warum erlaubst Du ihm Dir zu sagen, du seist nicht genug“, fragte er. „Weil ich dann meinen Schmerz weniger spüre“, antwortete die Frau. „Welchen Schmerz“, fragte Dr. Joe und lehnte sich interessiert nach vorne. „Den Schmerz genug zu sein“, sagte sie und hob den Kopf. Sie blickte in die Augen des Mannes, der ihr regungslos gegenübersaß.

„Und er spürt seinen Schmerz auch nicht“, sagte sie. „Da sind wir uns gleich.“

Dr. Joe blickt kurz hinüber und frage: „Ist es das wert?“ „Solange ich nichts spüre, schon.“ antwortete die Frau.

„Und was ist mit der Sehnsucht?“ fragte Dr. Joe. „Die bleibt.“ sagte sie. „Sehnsucht ist ein vertrautes Gefühl, gell?“ sagte Birgit Fischer, die auch hereingekommen war. Sie setzte sich neben den Mann und blickte durch die Flammen zu ihnen hinüber.

Die Frau blinzelte. Dann presste sie die Lippen zusammen und stieß hervor: „Kann sein. Lieber sterbe ich, als meine Sehnsucht herzugeben.“ „Na na…“ sagte Birgit Fischer besänftigend, „das scheint mir ein wenig sehr dramatisch.“

Birgit Fischer und Dr. Joe nickten sich zu und standen auf. „Für heute gibt es hier nichts mehr zu tun.“ sagten beide unisono, wie Schauspieler in einem Theaterstück und gingen im Gleichschritt hinaus in die Nacht. Die Tür ließen sie offen.