Kehrschaufel und Besen

Der nächste Tag brach an. Die Frau erwachte im Morgengrauen. Irgendwann war sie wohl doch zu Bett gegangen. Erholt fühlte sie sich nicht.

Das Feuer war erloschen, der Mann war fort.

Die Frau stand fröstelnd auf und streckte sich nach ihren Kleidungsstücken, die sie am Vorabend einfach vor dem Bett zu Boden hatte fallenlassen.

Dann ging sie zum Herd und warf einen nachdenklichen Blick auf die kalte Asche. Recht unspektakulär, wenn sie sie mit den lebendigen Flammen aus der vorherigen Nacht verglich.

Sie blickte sich suchend um. Ihr Blick fiel auf den Hocker, auf dem sie in der Nacht gesessen hatte. Davor lagen Kehrschaufel und Besen. Sie runzelte die Stirn. Sie konnte sich nicht erinnern, sie dort liegen gelassen zu haben. Aber woran konnte sie sich schon erinnern. Ihr Blick ruhte auf dem Besen. Der fein gedrechselte Griff. Die glatten kühlen Borsten. Missbilligend betrachtete sie die Kehrschaufel, die mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden lag. Sie ließ sich auf den Hocker sinken. Er fühlte sich seltsam warm an, als hätte gerade eben noch jemand darauf gesessen.

Suchend blickte sie sich um, aber es war niemand da. Wieder glitt ihr Blick zu Kehrschaufel und Besen. Warum nur lag die Schaufel verkehrt herum?

Sie dachte an den Mann, der in der Nacht auf der anderen Seite des Feuers gesessen hatte. Auch an ihm war ihr etwas verkehrt herum vorgekommen.

Entschlossen drehte sie die Schaufel um und legte den Besen ordentlich darauf. Schon besser.

Sie versuchte sich zu erinnern, wofür man dieses Gespann benutzte. Es erschien ihr gerade sehr nutzlos. Sie ergriff den Besen und ließ ihre Hand über die Rundungen des gedrechselten Griffs gleiten. Dann zeichnete sie sanft die Wölbungen und die Vertiefungen mit dem Zeigefinger nach. Sie streichelte über die Borsten. Enttäuscht zog sie die Hand zurück. Kratzig.

Neue Besen kehren gut, ging ihr durch den Kopf. War das ein neuer Besen? Keine Ahnung. Irgendwie zeit- und alterslos. Sie behielt den Besen auf dem Schoß und stieß mit dem Fuß vorsichtig an die Schaufel. Die Schaufel rutschte ein Stückchen über den Boden.

Eine Schaufel bleibt eine Schaufel und ein Besen ein Besen dachte sie ernüchtert. Aus der Schaufel wurde kein Prinz und aus dem Besen keine Prinzessin.

Seufzend legte sie den Besen zur Schaufel zurück und machte sich daran, das Feuer neu zu entfachen.