Die Frau ging die endlose gerade Straße entlang. Schritt für Schritt, den Blick auf den Horizont geheftet. Links und rechts, vor und hinter ihr erstreckte sich die weite, öde Landschaft. Der blaue Himmel eiskalt. Die Sonne hell, ohne Strahlkraft. Die Straße unter ihren Füßen glatt. Kein Halt.
Ein paar Mal hätte sie beinahe das Gleichgewicht verloren, aber sie konnte sich im letzten Moment gerade noch so fangen.
Stehen bleiben war keine Option.
Dr. Joe stand am Straßenrand und winkte ihr zu. Den Blick geradeaus, ging sie weiter. Birgit Fischer ging ein Stück des Weges neben ihr und plapperte etwas auf ihre fröhliche, österreichische Art. Die Frau hörte nicht zu. Irgendwann verschwand auch sie.
Die Sonne ging unter in ihrer stoischen Gleichförmigkeit. Ein paar Sterne und der Mond erleuchteten die Straße gerade so weit, dass die Frau die Richtung nicht verlor und unbeirrt weiter geradeaus gehen konnte. Schritt für Schritt. Atemzug für Atemzug. Armpendeln für Armpendeln. Wimpernschlag für Wimpernschlag.
Sie ging bis nach vielen Stunden, nach Tagen, nach Monaten, nach Jahren ein Silberstreif am Horizont auftauchte. Sie überlegte stehen zu bleiben, aber ihre Füße gingen von allein weiter.
Der Silberstreif wurde breiter und blieb dann gleich. Es war, als würde sie rückwärtslaufen, und je weiter die Sonne stieg, desto mehr folgte die Frau rückwärts der Erdkrümmung, so dass die Sonne nie höher über dem Horizont erschien.
Wie angenehm, dass alles gleichbleibt, obwohl ich mich bewege, dachte die Frau und blieb stehen.
Die Erde drehte sich unter ihren Füßen und trug sie in Richtung Sonnenaufgang.
Wie angenehm, dass sich alles verändert, obwohl ich stehen bleibe, dachte die Frau und schloss die Augen, geblendet vom ersten Sonnenstrahl, der über dem Horizont in ihre Richtung stach.