Der Apfel

Es geht alles durcheinander, dachte der Mann und blickte hinter seinem Obststand hervor in die Menschenmenge, die sich an seinem und den anderen Marktständen vorbeidrängte.

Er nahm einen Apfel und biss hinein. Sauer – er verzog das Gesicht und legte ihn beiseite.

Ein Mädchen blieb vor seinem Stand stehen und betrachtete die roten Äpfel. „Magst du einen?“, fragte er, und sie nickte. „Die sind aber sauer“, fügte er hinzu.

Sie zuckte mit den Schultern. „Besser als nichts“, gab sie zurück.

„Was ist mit den Trauben?“, fragte er. „Die sind süß.“ Sie schüttelte den Kopf. „Nein, Apfel“, antwortete sie.

Er suchte ihr einen besonders schönen heraus und reichte ihn über die Kisten. Sie sah ihn an und griff langsam danach.

Bevor sie den Apfel fassen konnte, schob die Menschenmenge sie weiter. Er sah ihr nach, wie sie in der Menge verschwand. Dann legte er den Apfel zurück zu den anderen.

Ich hätte ihr die Trauben geben sollen, dachte er.

Am nächsten Tag wartete er, ob das Mädchen wiederkam.

Er hielt den ganzen Tag nach ihr Ausschau. Sie kam nicht.  

Nicht am übernächsten.

Und auch nicht am Tag darauf.

Nach einem Monat begann er, sie zu vergessen.

Täglich saß er hinter seinem Stand, die Massen drängten vorbei, er reichte Obst herüber, kassierte das Geld, baute ab und ging nach Hause.

Als er eines Abends nach Hause kam, stand das Mädchen vor seinem Haus.

„Mein Apfel“, sagte sie und streckte die Hand aus.

Er schüttelte den Kopf. „Kein Apfel“, sagte er. „Hier nicht.“

Sie wandte sich zum Gehen.

„Warte“, rief er. „Ich habe …“ Er zögerte.

„Ich habe …“, wiederholte er und stockte. Dann streckte er ihr seine leere Hand entgegen.

Sie sah auf seine Hand, in sein Gesicht und wieder auf die Hand.

„Das habe ich“, sagte er.

„Das ist nichts“, erwiderte sie.

„Ja … nichts“, bestätigte er.

„Was soll ich mit nichts?“, fragte sie.

„Willst du mehr nichts?“, fragte er hoffnungsvoll.

„Mehr nichts?“, wiederholte sie und presste die Lippen zusammen.

Er wartete, dass sie sich abwenden würde.

Aber sie blieb stehen, bis die Sonne vollends untergegangen war.